Mein Schreibtagebuch
Hier berichte ich über das Auf und Ab meiner schriftstellerischen Tätigkeit.
Es gibt hier keine Kommentar- oder gar Foren-Funktionalität, aber wenn jemanden etwas besonders interessiert, kann er mir gern eine schreiben. Falls die Frage von allgemeinem Interesse ist, baue ich die Antwort dann in einen der Folgebeiträge ein, ansonsten antworte ich direkt per Mail.
Wer an diesem Schreibtagebuch nicht genug hat, kann meine Aktivitäten auch auf meiner Facebook-Seite verfolgen.
4. Februar 2012
Laute Musik wirkt auf mich inspirierend, und wenn die eigene Sammlung nicht mehr reicht, muss es eben die Disco sein. So geschehen letzte Nacht, und als ich wieder daheim war, hatte ich ein Arsenal gute Ideen für die nächste Szene im Kopf. Die entsprechenden Notizen habe ich noch vor dem Zubettgehen festgehalten. Entsprechend flüssig lief es heute, vierundzwanzig Seiten. Jetzt sind noch drei Szenen und der Epilog übrig - die Vorbereitung des Finales in den beiden Haupthandlungssträngen, das Finale selbst (mit hoffentlich überraschendem Ausgang) und der Ausblick auf den zweiten Band der Trilogie. Insgesamt dürften das etwa dreißig Seiten werden, was für mich Schlagdistanz ist. Das ist ein aus der Golfer-Sprache entlehnter Ausdruck (wobei ich gar kein Golfspieler bin) und bezeichnet die Entfernung, aus der man mit einem Schlag das Grün erreichen kann. Sprich: Wenn ich einen sehr, sehr guten Tag erwische, kann ich diese Seitenzahl an einem Tag schaffen. Die Rohfassung könnte also morgen fertig werden. Auch wenn es wahrscheinlich übermorgen oder der Tag danach werden wird: Das Ende ist in Sicht. Und dann folgt der Höhepunkt der Schriftstellertätigkeit: der erste Korrekturgang!
3. Februar 2012
Der Tag fing gut an, aber dann habe ich mich ablenken lassen. Entgegen meiner Gewohnheit habe ich in einem amerikanischen BattleTech-Forum Stellung zu einem deutschen BattleTech-Roman bezogen. Wohl ist mir dabei nicht, ich möchte mich grundsätzlich als Autor nicht in die Diskussionen der Fans einmischen, aber in diesem Fall hoffe ich, durch meine Sichtweise den Austausch bereichern zu können. Schließlich haben die meisten Fans in den USA kaum die Möglichkeit, sich selbst einen unmittelbaren Eindruck von den deutschsprachigen BattleTech-Geschichten zu machen, sodass sie auf die Einschätzungen aus Europa angewiesen sind.
So kam dann eins zum anderen und letztlich bin ich viel in Sachen BattleTech durch das Netz gesurft, sodass am Ende für Die Fürsten nur magere vierzehn Seiten herausgekommen sind, zwei Szenen, an deren Qualität ich obendrein zweifle. Schriftstellerisch gesehen war heute also nicht mein Tag - hoffentlich läuft es morgen besser.
2. Februar 2012
Fünfundzwanzig Seiten habe ich heute am ersten Band von Die Fürsten geschrieben, dabei Seite 300 passiert und das letzte Kapitel (abgesehen vom Epilog) begonnen. Das bedeutet auch, dass weniger als einhundert Seiten verbleiben. Es fühlt sich schon Stark nach Ende an: Die Figuren sind angemessen ausgedünnt, der zentrale Konflikt zugespitzt, jetzt geht's ums Ganze.
Auch bei BattleTech hat sich etwas getan: Obwohl meine Belegexemplare noch nicht eingetroffen sind, habe ich Präludium in Händen gehalten, denn im Hiveworld steht es schon in den Regalen. Und einen Interviewbogen dazu habe ich heute auch ausgefüllt.
Insgesamt also ein produktiver Tag.
1. Februar 2012
Ich genieße die Szenen, die ich schreibe (heute wieder eine Hauptfigur ins Nebelland geschickt - es sind die kleinen Freuden, die das Autorendasein lebenswert machen), habe aber wenig Drang, viele Seiten zu schaffen. Deswegen bleibt es heute bei fünfzehn. Aus dem Lektorat kam positive Rückmeldungen zum bislang Vorgelegten, die Anmerkungen lassen sich mit kosmetischen Änderungen umsetzen.
31. Januar 2012
Dreizehn Seiten müssen heute reichen. Eigentlich eine magere Ausbeute für einen Tag, an dem ich in meinem Hauptberuf frei hatte, aber ich habe heute meine Mailbox aufgeräumt und vor allem das aktuelle Kapitel gründlicher durchkonzipiert. Eine Szene, die mir ein Dorn im Auge war, weil ich sie aus keiner der bisher verwendeten Perspektiven hätte schreiben können, habe ich aus dem Konzept gelöscht. Dafür muss in das nächste Kapitel eine weitere Szene rein, weil etwas Zeit vergehen muss, ein Monat ungefähr. Auch dazu habe ich inzwischen eine ungefähre Vorstellung entwickelt. So fallen die letzten Puzzleteile an ihren Platz, und so hat der Tag insgesamt doch noch ein befriedigendes Ergebnis.
30. Januar 2012
Woher kommt nur meine Schwäche für böse Mädchen? Laila, Blutlinde, Doro, Nadjescha ... Keiner meiner Romane kommt ohne die Kombination von Schönheit und Grausamkeit aus, erst recht nicht Die Fürsten. Vielleicht sollte man einige Dinge nicht hinterfragen und sich stattdessen am Ergebnis des Tages freuen, in diesem Fall: einundzwanzig Seiten, ein Telefonat mit dem Agenten und eines mit der Lektorin, bei der ich gespannt bin, wie ihr das bisher Geschriebene gefallen wird.
29. Januar 2012
Da habe ich doch tatsächlich zwei Nebenfiguren aus den Augen verloren, wie ich während der Überarbeitung bemerkt habe! Das war nicht dramatisch, durch das Einfügen einiger Sätze habe ich sie nun für den Leser präsent gehalten und habe in der Konzeption der zweiten Hälfte des Romans nun auch ihre liebevolle (und meist finale, denn jetzt beginnt der Blut-und-Knochenbruch-Teil der Geschichte) Behandlung vorgesehen. Ansonsten bin ich recht zufrieden mit dem Stand der Dinge. Ich hoffe, die Lektorin, der ich soeben den Text geschickt habe, wird sich dieser Wertung anschließen. Andererseits - wenn es Änderungswünsche gibt, dann sind sie natürlich umso willkommener, je früher sie kommen. Nicht nur, weil der Umarbeitungsaufwand geringer ist, wenn weniger fertig ist, sondern vor allem, weil ich gegebenenfalls auftauchende neue Elemente dann direkt beim Schreiben der verbleibenden Szenen einbauen und zur Wirkung bringen kann.
28. Januar 2012
Schleichende Veränderungen werden einem erst bewusst, wenn man Gelegenheit zum Innehalten hat. Heute war eine solche Gelegenheit, ganz ohne speziellen Anlass. Ich frage mich, wann es passiert ist, dass ich von jemandem, der alles angeht und alles macht, überall dabeisein möchte, zu jemandem geworden bin, der mehr Projekte ablehnt als annimmt. Werde ich allmählich satt oder liegt es einfach an der Vielzahl der Möglichkeiten? Ich habe den Teller ziemlich voll, das das erste Halbjahr 2012 angeht: die Redaktion bei Die Türme von Taladur, ein Manuskript für einen eigenen Roman, das in dieser Zeit aus dem Lektorat zurückkommen wird, die Buchmesse in Leipzig, meine Trilogie Die Fürsten, von der zumindest der erste Teil fertigwerden muss, besser alle drei, weil es mir leichter fällt, eine Geschichte in einem Zug zu schreiben. Und natürlich bieten sich mir, da ich inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad erschrieben habe, andere Optionen. Früher hat mich kaum jemand gefragt, ob ich bei einer Veranstaltung auftreten oder bei einem Projekt mitwirken möchte. Das ist inzwischen anders.
Und wann habe ich die Freiheit verloren, über meine Projekte zu reden? Auch das ist eine indirekte Konsequenz des Erfolgs. Wer ein Manuskript für sich allein schreibt und nur mit Lesern rechnen muss, die versehentlich auf der Webseite stranden, kann erzählen, was er möchte. Wenn ein Projekt aber in eine Marketingstrategie eingebunden ist, dann trägt man eine andere Verantwortung für das, was man ausplaudert. Und wenn Vertragsverhandlungen laufen, ist es nicht klug, wenn man seine Limits an Stellen darlegt, die für den Verhandlungspartner einsehbar sind.
Genug vom Jammern auf hohem Niveau, es gibt auch Erfreuliches zu berichten. Ich habe sieben Seiten geschrieben und damit das aktuelle Kapitel (das ich vermutlich in derer zwei teilen werde) abgeschlossen. Daraufhin habe ich mit der Überarbeitung der bisher vorliegenden 240 Seiten begonnen und bin etwa bis zur Hälfte vorgedrungen. Der Rest kommt morgen, denn am Montag möchte ich diesen Teil der Lektorin zur Verfügung stellen, damit sie ein besseres Gefühl für die Geschichte bekommt. Schließlich möchte sie Werbetexte verfassen, und die sollen natürlich treffend sein. Was mich zum vorzeitigen Vergnügen des ersten Korrekturgangs bringt, der für mich das Schönste am Schreiben ist. Ich liebe es, wenn eine Geschichte flutscht, man sie in einem Rutsch lesen kann. Nur schade, dass ich es diesmal nur bis zur Hälfte werde genießen können, denn mehr existiert ja noch nicht. Aber ich wollte ja nicht mehr jammern. Stattdessen kann ich einräumen, dass dieser Korrekturgang besonders nützlich ist, denn im Laufe der Geschichte habe ich in einen besonderen Tonfall hineingefunden, den ich nun konsistent nachziehen kann. Zugleich mache ich mir Notizen für die kommende intensive Schreibphase (ich habe Urlaub in meinem Hauptberuf), sodass ich alle offenen Fäden aufgreifen kann.
27. Januar 2012
Sieben Seiten Die Fürsten, danach habe ich eine Szene aus Die Last der Türme, gelesen von Janina und André Wiesler, genossen.
Für morgen habe ich mir vorgenommen, die letzte Szene des aktuellen Kapitels in Die Fürsten zu schreiben. Das wird dermaßen finster, dass ich jetzt schon Schwierigkeiten habe, ein übles Lachen der Vorfreude zu unterdrücken.
26. Januar 2012
Heute habe ich mich darum gekümmert, meine nächste Lesung bekannt zu machen. Sie wird anlässlich des Erscheinens von Präludium im Hiveworld, Mauritiussteinweg 96, Köln, stattfinden, und zwar am Montag, 13. Februar, um 1915 Uhr.
Ansonsten habe ich heute schriftstellerisch nichts geschafft - mein Hauptberuf ist in dieser Woche besonders anspruchsvoll und zudem scheine ich mir eine leichte Grippe eingefangen zu haben. Da ist nicht viel zu wollen.
25. Januar 2012
Zwei Seiten vor der Arbeit sind schon mal ein brauchbarer Start in den Tag. Wenn dann noch ein Roman aus meiner Feder erscheint (hier die Leseprobe) und ein weiterer, an dem ich als Redakteur beteiligt war (nämlich Die Last der Türme von André Wiesler), geht man durchaus zufrieden ins Bett.
24. Januar 2012
Vor der Arbeit habe ich den gestern begonnenen Artikel finalisiert. Die Kürzungen waren einschneidend, aber ich glaube, was übrig geblieben ist, lässt sich flüssig lesen. Die Abonnenten des Magazins wissen ja im Gegensatz zu uns nicht, was alles weggelassen wurde, also wird es ihnen wohl auch nicht fehlen.
Am Abend zehn Seiten geschrieben. Es läuft. Ich bin voll in der Geschichte.
23. Januar 2012
Ein wenig über Werbetexten für Die Fürsten sinniert, vor allem aber an einem weiteren Artikel zu Die Türme von Taladur gearbeitet. Die besondere Herausforderung: Die (obendrein noch unvollständige) Rohfassung ist 30.000 Zeichen lang, das Limit liegt aber bei 15.000. Da brauche ich zum Kürzen kein Skalpell, sondern eine Kettensäge ...
22. Januar 2012
Heute erschien ein Interview mit mir beim Nachrichten-Portal Nandurion. Da es eine Seite für Fans von Das schwarze Auge ist, liegt der Schwerpunkt der Themen in diesem Bereich, aber es wurde auch drumherum ein wenig gefragt.
Was Die Fürsten angeht, so fühlte ich mich den ganzen Tag lang wie auf der Streckbank. Die Ungewissheit, wie es mit den Vertragsverhandlungen weitergeht, lähmt mich, aber die Geschichte zieht mich weiter. Am Abend habe ich dann zwei ernste Telefonate zum Thema geführt. Die Kröte bleibt warzenübersäht, fett und haarig, also mit einem Wort: potthässlich - aber ich werde sie schlucken, wenn es denn sein muss. Jetzt fühle ich mich wie im Dschungelcamp.
Als Trost bleiben fünfzehn Seiten, die ich trotz des Haderns mit mir selbst in die Tastatur gebracht habe.
21. Januar 2012
Bekanntlich habe ich eine Schwäche für böse Mädchen, im Literaturjargon bekannt als Antagonistinnen. Heute hatte ich das Vergnügen, eine Szene mit einem wirklich bösen Mädchen zu schreiben. Gemeinsam mit einer weiteren Szene gibt das neunzehn Seiten. Ich stehe damit auf Seite 199 (von geplanten 400) und habe 19 der 40 Szenen aus meinem yWriter geschrieben. Also bin ich etwa auf der Hälfte angekommen. Wenn ich die Geschichte Revue passieren lasse, kann ich sagen: »Mir gefällt's - und ich bin gespannt auf die zweite Hälfte.«
20. Januar 2012
Erkenntnis des Tages: Das Leben ist seltsam. Da denkt man, alles ist unter Dach und Fach, und dann kommt eine einzelne, kleine Vertragsklausel, und - schwupps! - ist wieder alles infrage gestellt. Noch seltsamer: Der Gedanke, dass es mit der Publikation meiner Dark Fantasy-Trilogie eventuell doch nichts werden könnte, bestürzt mich nicht. Er erschafft eher ein Flair würdevoller Melancholie. Vielleicht habe ich die Nachricht noch nicht vollständig verarbeitet, aber im Moment kann ich gut abwarten in dem Wissen, dass Verlag und Agent in die nächste Runde gehen. Und nebenbei meine Geschichte weiterschreiben. Denn, das war ja die gestrige Erkenntnis: Das bleibt das Wichtigste - auch dann, wenn vielleicht niemand außer mir sie jemals lesen wird.
19. Januar 2012
Sechs Seiten geschrieben. Das ist und bleibt das Wichtigste, das Schreiben. Das ist es, was ein Autor tut, was ihn zum Autoren macht.
Auch wenn mich noch immer das Drumherum beschäftigt. Es ist ja auch nett, mit dem Lektorat zu telefonieren und ein Interview vor Freigabe nochmals durchzusehen, aber die Geschichte ruft, und das tut sie immer lauter. Trotzdem ist das Drumherum wichtig. Es geht um Titel, es geht um Cover, um Über-den-Autor-Texte. In einem großen Verlag sind die Vorlaufzeiten offensichtlich länger. Man legt solche Sachen ein knappes Jahr vor dem Termin fest, an dem das Buch im Laden liegen soll, wie ich heute gelernt habe, und das ist in meinem Fall ziemlich genau ... jetzt. Vielleicht braucht man es für Programmhefte, die ja bekanntlich mit einigem Vorlauf an den Handel gehen und auf den Webseiten erscheinen.
Was weiß ich. Es kann mir egal sein, und im Moment ist es das auch. Ich leiste meinen Beitrag, aber vor allem muss ich eines tun: meine Geschichte schreiben ...
18. Januar 2012
Ein interessanter Tag, obwohl ich heute keine Zeile geschrieben habe. Bei Die Fürsten scheinen wir (Agent, Verlag, Autor) uns über die Konditionen einig zu sein, sodass nun der Vertrag aufgesetzt werden kann. Dann kam noch ein Anruf mit einem Angebot zu einem gänzlich anderen Projekt in einem für mich neuen Bereich. Druchaus verlockend, aber vermutlich wird nichts daraus werden, weil ich direkt einsteigen müsste, aber bis Mitte des Jahres komplett ausgebucht bin.
17. Januar 2012
Drei Seiten.
16. Januar 2012
Statt an meinem aktuellen Roman weiterzuschreiben, habe ich heute einigen Kleinkram erledigt. Ich habe das Interview von gestern poliert und an den Redakteur geschickt und meinen nächsten F.A.N.-Beitrag zusammengestellt. Die Texte waren schon geschrieben und mussten nur noch leicht korrigiert werden. Besonders gefreut habe ich mich über die Kostprobe zu einer bald erscheinenden Veröffentlichung, über die ich auf Bitte des Künstlers noch schweige. Und mit dem Lektorat war ich kurz in Kontakt. Bei meinen bisherigen Romanveröffentlichungen war ich eine erhebliche Schwankungsbreite gewohnt, was die Ziel-Seitenzahl anging, nämlich knapp fünfzehn Prozent, wobei man auch die mehr oder minder problemlos nach oben überschreiten durfte. Bei Die Fürsten wird das anders: fünf Prozent. Aber ich denke, das sollte klappen.
15. Januar 2012
Die Interviews, die ich bislang geben durfte, waren selten Interviews in dem Sinne, wie man es sich vorstellt. Man trifft sich also nicht in einem netten Café mit einem Redakteur, bekommt Kuchen und Kakao spendiert und quasselt in ein Tonbandgerät. Stattdessen bekommt man eine eMail mit einem Fragebogen. Das hat weniger Ambiente, aber den Vorteil, dass man über seine Antworten noch einmal nachdenken kann, bevor man sie zurückschickt. Heute habe ich einen solchen Fragebogen bekommen und schon einmal beantwortet, aber noch nicht abgesendet. Ich möchte morgen noch einmal nachlesen, ob meine Antworten wirklich so spritzig sind, wie sie sein sollten.
Bei Die Fürsten habe ich die 150-Seiten-Marke passiert, fünfzehn Seiten sind es heute geworden. Damit habe ich im Schnitt zehn Seiten pro Tag geschrieben, und das, obwohl ich an den meisten Tagen auch in meinem Hauptberuf fleißig war. Ich bin ein bisschen stolz auf mich, zumal die Geschichte inzwischen auch ordentlich Fahrt aufgenommen hat.
14. Januar 2012
Ein bisschen zu Die Türme von Taladur diskutiert, vor allem aber an Die Fürsten geschrieben, zwanzig Seiten. Dabei hatte ich für ein paar Stunden eine Sinnkrise (»Alles Schrott!«). Ich habe mir dann die Zeit genommen, zu überlegen, wie ich zu dieser Einschätzung komme. Zum einen liegt das am langsamen Fortschritt der letzten Tage. Subjektiv führt das nämlich zu dem Eindruck, dass in meinem Roman »tagelang nichts passiert«. Das ist aber ein unfaires Urteil, in Wirklichkeit ist die Handlung in den letzten fünf Tagen eben sechzehn Seiten weitergekommen. Wenn man bei einem Roman nur sechzen Seiten in fünf Tagen lesen würde, bräuchte man auch ewig, um zum Ende zu kommen. Da für mich das Schreiben so etwas ist wie das Lesen eines noch nicht existenten Buches, beschreibt dieser Vergleich meine Wahrnehmung recht treffend. Also alles in Butter? - Nicht ganz. Die letzten Szenen charakterisieren meine Figuren, übermitteln ein paar Details zu meiner Welt und dienen allgemein dem Aufbau meines Buchs, sozusagen der Vorbereitung. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen - aber sie sind nicht besonders. Sie könnten so oder so ähnlich in vielen anderen Büchern stehen. Gerade in der fantastischen Literatur ist es aber Pflicht, den Leser zum Staunen zu bringen, indem man ihm etwas bietet, was er noch nie gesehen hat.
Nachdem ich diesen Störfaktor erkannt habe, habe ich mir für die folgende Szene gezielt einen besonderen Schauplatz ausgedacht und darauf geachtet, dass sie etwas flotter als zuvor konzipiert auf den Kern meiner Handlung hinführt. Und voilà: Sie gefällt mir gleich viel besser. So stehe ich jetzt auf Seite 144, darf hoffen, am morgigen Sonntag die 150 zu schaffen, und bin wieder im Frieden mit meiner Geschichte. Was die vorigen Szenen angeht, werde ich in den Überarbeitungen dafür sorgen, dass das Besondere meiner Geschichte deutlicher hervortritt.
Am Ende des Tages ist also alles wieder gut.
13. Januar 2012
Eine schöne Angewohnheit des Ulisses-Verlages ist es, dem Publikum die kommenden Romanveröffentlichungen mit Vorabinformationen schmackhaft zu machen. Heute ist ein weiterer Werkstattbericht zu Präludium online gegangen.
Für Die Fürsten sind heute acht Seiten zusammengekommen. Ich unterbreche mitten in der Szene, dadurch hoffe ich, morgen gleich in den Fluss zu kommen.
12. Januar 2012
Fünf Seiten. Ich nehme meinen üblichen Rhythmus wieder auf.
11. Januar 2012
Schreibpause. Nur ein kurzes Telefonat mit meinem Agenten.
10. Januar 2012
Zwei Seiten. Ich bin heute zu müde zum Schreiben.
9. Januar 2012
Heute nur eine Seite - ein Abendtermin in meinem Hauptberuf ließ mir nur eine Dreiviertelstunde Zeit.
8. Januar 2012
Das zweite Kapitel ist begonnen, die erste Szene darin abgeschlossen, eine neue Perspektivfigur und ein neuer Schauplatz sind eingeführt. Dreizehn Seiten habe ich heute geschrieben und damit die Schwelle der einhundert Seiten überschritten. Einhundert Seiten stellen für mich eine psychologisch wichtige Wegmarke dar. Beim Lesen habe ich mich nach etwa einhundert Seiten an die Erzählstimme eines Autors gewöhnt und kann danach flotter lesen, leichter in die Atmosphäre zurückfinden, wenn ich das Buch wieder aufschlage. Bei einem eigenen Manuskript habe ich nach einhundert Seiten die meisten mit der Geschichte verbundenen Ungewissheiten überwunden, kann ihren Pulsschlag fühlen, die fiktive Welt ist so dicht geworden, dass ich in meiner Vorstellung in ihr spazieren gehen kann. Interessanterweise ist dieser Effekt unabhängig davon, ob dem eigentlichen Schreiben eine intensive Recherche wie bei einem Das schwarze Auge-Roman vorangegangen ist oder ob ich mir den Hintergrund selbst ausgedacht habe, so wie bei Gottes Ebenbilder oder jetzt Die Fürsten.
7. Januar 2012
Siebenundzwanzig Seiten, vornehmlich zum Soundtrack von True Blood geschrieben. Damit ist nach dem Prolog nun auch das erste Kapitel abgeschlossen. Nichts geht über einen Tag, an dem man sich voll und ganz dem Schreiben widmen kann.
Epiphanie, 6. Januar 2012
Der F-Shop-Newsletter gibt den 26. Januar als Erscheinungstermin für Präludium an, meinen neuen BattleTech-Roman und Auftakt für den Andurienkriege-Zyklus.
An Die Fürsten habe ich heute wenig geschrieben, etwa eine Seite.
5. Januar 2012
Und nochmal fünf Seiten. Heute lief es schon wieder etwas flüssiger.
4. Januar 2012
Wieder fünf Seiten. Unspektakulärer, aber beständiger Fortschritt, der mich heute über die Fünfzig-Seiten-Marke gebracht hat.
3. Januar 2012
Fünf Seiten habe ich mir als Schreibziel für Tage gesteckt, an denen ich auch in meinem Hauptberuf arbeite. Dieses Pensum habe ich heute genau erfüllt. An manchen Tagen fließt es, diesmal war es dagegen ein Arbeitssieg. Vielleicht liegt es daran, dass ich eine neue Perspektivfigur eingeführt habe.
Nebenbei habe ich noch Verträge unterzeichnet, die die Rechte an den meisten meiner erschienenen Romane und deren weiterer Verwertung eindeutig regeln.
Schön ist die Meldung von Holysoft, in der angekündigt wird, dass der Isenborn-Zyklus und die Reihe Die Türme von Taladur dieses Jahr als Hörbücher erscheinen werden.
2. Januar 2012
Pseudoprofessionalität ist unter Autoren beliebt, wie mir scheint. Pseudoprofessionalität ist die Anwendung professioneller Methoden in unprofessioneller Weise. Man ist sehr effizient darin, etwas Ineffektives zu tun. So wie jemand, der mit Hingabe den passenden Bezug für das Lenkrad eines Autos aussucht, das keinen Motor hat. In stilistischer Hinsicht entsprechen Manirismen dieser Unsitte, hervorragende, kunstvolle Formulierungen, die deplatziert eingesetzt werden. In handwerklicher Hinsicht kommt Pseudoprofessionalität noch häufiger vor. Überraschend viele Hobbyautoren mit Ambitionen auf Buchverträge stecken unangebracht viel Zeit in das Formatieren ihrer Manuskripte. Manche bilden sich zu diesem Zweck sogar im Bereich des Desktop Publishing. Sie setzen ein Manuskript wie die Nachahmung eines gedruckten Buchs, mit schönen Überschriften, geschwungenen Buchstaben zu Beginn der Absätze und allerlei mehr. Der Effekt ist gleich Null. Manuskripte sind anderthalbzeilig, Courier New, zwölf Punkt, Flattersatz, dreißig Zeilen á sechzig Zeichen auf einem Blatt. Das ist die potthässliche, dennoch von den meisten Lektoraten erwartete und von allen akzeptierte Normseite. In der Buchbranche hat man sich daran gewöhnt. All die schönen Formatierungen sind dem Setzer vorbehalten. Denn ein Manuskript ist kein Buch. Es ist der Stoff, aus dem (hoffentlich) einmal ein Buch gemacht werden wird. Und ein guter Autor ist jemand, der gut schreibt. Nicht jemand, der halbgut schreibt und halbgut setzt und halbgut zeichnet.
Ich habe mich heute um das gute Schreiben bemüht und wurde mit sieben Seiten für Die Fürsten belohnt. Die Einfügemarke blinkt auf Seite Einundvierzig. Dafür, dass die Datei vorgestern noch leer war, finde ich das gar nicht übel.
Neujahr, 1. Januar 2012
Willkommen 2012! Ich habe viel vor mit dir ...
Die Türme von Taladur möchte ich abschließen, da gilt es noch vier Bände als Fachlektor zu betreuen und das ein oder andere Drumherum wie Interviews und Beiträge für die Webseite taladur.de werde ich sicher auch beisteuern dürfen.
Bei BattleTech sollen die ersten beiden Romane über die Andurienkriege erscheinen. Wieviele weitere dann folgen werden, wird sich zeigen. In diesem Jahr vielleicht noch einer, dann aber im Herbst oder Winter.
Kurz vor Silvester haben sich die Verkaufsgespräche für meine Dark Fantasy-Trilogie Die Fürsten soweit entwickelt, dass ich mir große Hoffnung auf einen Vertragsabschluss mache. Es wären meine ersten Bücher in einem Publikumsverlag. Ich bin schon eifrig am schreiben.
Die Buchmesse in Leipzig möchte ich dieses Jahr erstmals besuchen, vielleicht auch wieder die in Frankfurt, außerdem den Elster- und natürlich den ColoniaCon.
Ein prall gefülltes Auftragsbuch also, das ich mir da selbst ausgestellt habe. Zumal das meiste davon im ersten Halbjahr passieren soll. Für das zweite wünsche ich mir eine Zäsur in meinem Leben jenseits des Schreibens, die sicher auch selbiges betreffen wird, was meine Aktivitäten im Herbst 2012 angeht.
Mein guter Vorsatz bezogen auf die Schriftstellerei: weniger Zeit im Internet verdaddeln. Wenn ich darüber nachdenke, ist es erschreckend, wieviele Stunden ich in den vergangenen Jahren für Nichts und Wiedernichts in den Browser gesteckt habe ... Meinen Fernseher habe ich inzwischen gezähmt, mit dem World Wide Web werde ich dieses Jahr ein ernstes Wort reden ...
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Schreibtagebuchs ein schönes 2012!
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