Mein Schreibtagebuch

Hier berichte ich über das Auf und Ab meiner schriftstellerischen Tätigkeit. Hauptsächlich arbeite ich derzeit an meiner Tetralogie, die 2010 im Rahmen der Fantasy-Reihe ›Das Schwarze Auge‹ erscheint. Der Arbeitstitel war ›Herzen aus Stahl‹, konnte aber natürlich nicht so bleiben, für die Veröffentlichung ist er zu plakativ, aber er funktioniert in dem Sinne, dass er mir ein prägnantes Bild vor Augen bringt. Außerdem eine Hommage an Man-O-War. Inzwischen läuft die Reihe unter der Bezeichnung ›Der Isenborn-Zyklus‹.
Es gibt hier keine Kommentar- oder gar Foren-Funktionalität, aber wenn jemanden etwas besonders interessiert, kann er mir gern eine schreiben. Falls die Frage von allgemeinem Interesse ist, baue ich die Antwort dann in einen der Folgebeiträge ein, ansonsten antworte ich direkt per Mail.

30. Juli 2010
Bei der Beantwortung der zweiten Frage habe ich ein wenig gemogelt, indem ich zweimal auf ›antworten‹ gedrückt habe. Auch das funktioniert wohl und hat den gleichen Effekt wie bei SMS, wo ja auch die Zeichenanzahl begrenzt ist und man mehrere Nachrichten schicken muss, um eine längere Botschaft unterzubringen. Bei dem Fragen-Widget sind es 1.000 Zeichen. Das hört sich nicht nach wenig an, aber wenn man bei der Antwort ein wenig den Kontext mit erläutern möchte, ist der Platz rasch verbraucht.
Auf dem RatCon im September werde ich wohl nochmals den Isenborn-Zyklus vorstellen.
29. Juli 2010
Beinahe hätte ich die erste Frage übersehen, die über meine neue Fragen-Seite an mich gestellt wurde. Dort werden nämlich nicht alle Fragen angezeigt, sondern nur solche, bei denen ›Bernard Craw‹ als Autor verknüpft wurde. Das habe ich jetzt erst herausgefunden und einen entsprechenden Hinweis hinzugefügt.
Bei der Beantwortung der Frage habe ich einen weiteren Nachteil entdeckt: Ich kann nur eine recht überschaubare Anzahl an Anschlägen eingeben. Eigentlich hätte ich gern ausführlicher geantwortet. Andererseits liegt bekanntlich in der Kürze die Würze.
Jedenfalls kann man nun Frage und Antwort nachlesen - und natürlich eine Anschlussfrage oder auch eine völlig neue Frage stellen, wenn man möchte.
27. Juli 2010
Schulen haben in der Fantasy ja meist die Ausrichtung ›Zauberschule‹ oder ›Schwertkampfschule‹. Vielleicht wäre aber inmitten dieser normal gewordenen Exotik einmal eine eher normale Schule exotisch, etwa eine Tanzschule. Ich kann mir vorstellen, dass so etwas ein interessantes Element abgeben könnte. Immerhin besteht eine solche Schule nicht aus einem eingeschworenen Kreis, in den Außenstehende nicht hinein kommen, sondern ist deutlich offener, sodass sie für den Handlungsaufbau die Möglichkeit vielfältiger Begegnungen böte - zumal in einer Gesellschaft, die keinen Fernseher kennt ...
26. Juli 2010
In Vorbereitung auf die Diskussionsrunde, die ich auf dem nächsten ElsterCon werde moderieren dürfen, habe ich heute ein angenehmes Telefonat mit dem Autor Thor Kunkel geführt. Ich glaube, er wird ein interessanter Gesprächspartner werden.
In meiner Jugend habe ich die Großdemonstrationen gegen die Volkszählung erlebt. Daraus erwachsen ist eines der strengsten Datenschutzgesetze der Welt. Obwohl diese juristische Theorie von dem Millionenheer derjenigen, die bereitwillig und hemmungslos ihre Daten im Netz und auch sonstwo verteilen, in eine Praxis überführt wurde, die den gläsernen Menschen Wirklichkeit werden lässt, bin ich selbst noch immer peinlich berührt, wenn ich in der U-Bahn unfreiwilliger Zuhörer von Handygesprächen mit intimsten Inhalten werde. Vom Datenschutz abgesehen schreckt mich auch die zuweilen prollige Dynamik so manchen Internet-Diskussion ab, bei der die Pfauen der digitalen Welt ihre Räder schlagen. - Unverkennbar ist jedoch auch, dass das Internet Menschen miteinander in Kontakt bringt, die sich sonst wohl nie begegnen würden und dass daraus so manche interessante Bekanntschaft entsteht.
Meine Erwartungen sind also ambivalent, aber dennoch habe ich mich entschlossen, probeweise ein kleines Widget in meine Webseite zu integrieren, mit dem man mir Fragen zu meiner Schriftstellertätigkeit stellen kann. Das geht zwar auch per eMail, aber das Widget nutzt die Vernetzung des Webs aus, indem es Fragen auf vielen Seiten sammelt und die Antworten auch dorthin zurückspiegelt. Wie das funktioniert, kann man auf Lovelybooks nachlesen.
Dieses Experiment kann drei mögliche Resultate haben:
Ich bin selbst gespannt, ob ich modern genug für ein solches Widget bin.
25. Juli 2010
Gestern hat mir Werner einen schönen Floh ins Ohr gesetzt mit seinen zusammenhängenden Romanen! Ich habe Notizen und Gedanken zu diesem Vorhaben auf ein paar Seiten zusammengetippt und an ihn gemailt. Obwohl ich ein paar Monate DSA-Pause einlegen möchte, habe ich daher schon wieder im Quellenmaterial geblättert. Tja. Bilden Sie einen Satz mit den Worten ›Eisen‹, ›schmieden‹ und ›heiß‹.
24. Juli 2010
Mein Besuch auf der FeenCon hat sich gelohnt. Ich konnte Sabine Weiss die Hand schütteln, einige Tänze von E'Fey bewundern, habe einige liebe Bekannte wiedergetroffen und bei meiner Lesung war trotz starkem Parallelprogramm eine Handvoll Zuhörer anwesend, mit denen ich mich so gut unterhalten habe, dass wir die Zeit satt überzogen haben. Zum Glück war das nicht schlimm, weil der Raum nach mir nicht gebucht war.
Gut unterhalten habe ich mich auch mit Werner. Einen Teil des Gesprächs hat er in seiner Eigenschaft als Lektor bestritten. Einige interessante Tipps habe ich mitgenommen, etwa, dass ich noch mehr aus meinen Figuren herausholen kann, wenn ich sie nicht gar so plötzlich ableben lasse. Im anderen Teil des Gesprächs war er dann der Verlagsleiter und erzählte mir von Fanpros anstehenden Projekten. Zu meiner Überraschung sieht er mich dabei nicht nur als beitragenden Autor, sondern kann sich auch vorstellen, dass ich planerisch unterstütze. Die Tendenz geht wohl in Richtung auf zusammenhängende Romane in Taschenbuchlänge mit verbindender Handlung, von unterschiedlichen Autoren geschrieben, aber eng vernetzt. Aus Werners Schlagworten kann man eine Menge machen, aber noch steht nicht einmal die aventurische Region fest, in der die Geschichte angesiedelt werden soll. Werner und ich haben zwei sehr unterschiedliche Optionen diskutiert, drei weitere sind mir im Nachgang eingefallen.
Zwar habe ich mir vorgenommen, zunächst anderweitig aufzutanken, bevor ich wieder einen DSA-Roman anbiete, aber so ein Konzept könnte ich vielleicht neben meinem geplanten Science Fiction-Roman noch machen ... Das wäre auch mal wieder etwas Neues: ein Konzept, das nicht ausschließlich für eigene Geschichten dient, sondern dazu, andere Autoren mit einzubinden ... Da mich neue Aufgaben immer reizen, beginnt es schon in den Fingern zu kribbeln.
23. Juli 2010
Morgen findet die FeenCon statt, auf der ich abends lesen darf. Während der Woche habe ich sträflich vernachlässigt, mich darauf vorzubereiten, also muss ich heute Abend die Stellen aussuchen, die ich vortragen werde. Vermutlich werden es eine Szene aus ›Stein‹ sein und zwei aus ›Eisen‹ - sofern denn jemand den Weg findet und mir zuhören möchte. In jedem Fall freue ich mich darauf, morgen einige alte Bekannte wiederzutreffen, die ich lange nicht mehr gesehen habe.
19. Juli 2010
Die ersten Leser sind wohl schon fertig mit ›Erz‹. Damit die Wartezeit nicht zu lang wird, habe ich die Leseprobe zu ›Eisen‹ online gestellt.
18. Juli 2010
Fanpro macht in seinen Büchern Werbung für andere Romane des Hauses. In der Regel wird dabei das Titelbild des jeweiligen Romans abgebildet und daneben der Klappentext abgedruckt. Heute habe ich dem Verlag vorgeschlagen, bei ›Stahl‹ anders zu verfahren. Einige Figuren des Isenborn-Zyklus tauchen in ›Im Schatten der Dornrose‹ auf. Wer wissen möchte, was aus Golgaron wurde oder wie sich Yellebeth und Beretto kennenlernten, der kann es dort erfahren. ›Todesstille‹ setzt die Geschichte von Härmhardt, Raawen und Marboria fort. Deswegen habe ich jeweils einen kurzen Text verfasst, der diese Zusammenhänge zum Isenborn-Zyklus darstellt - damit sollen die Anzeigen mehr Relevanz für die Leser von ›Stahl‹ bekommen. Mal sehen, ob Fanpro meinen Vorschlag aufgreift.
›Im Schatten der Dornrose‹ gibt mir dieser Tage wieder zu denken. Unmittelbar nach seinem Erscheinen wurde es recht zögerlich, man könnte auch sagen: verschreckt aufgenommen. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, neben die negativen Rezensionen sind ebensoviele positive getreten. Dennoch ist es ein Buch geblieben, das polarisiert. Man liebt es oder man hasst es. Wenn ich nach den Bestellung für signierte Exemplare urteile, scheint es aktuell wieder gefragt zu sein. Vielleicht ist das ein Nebeneffekt des Erscheinens von ›Stein‹ und ›Erz‹.
Zu den Isenborn-Büchern gibt es noch recht wenige Reaktionen, anscheinend haben die fleißigen Foren-Schreiber und sonstigen Rezensenten noch hitzefrei, oder sie warten ab, bis der Zyklus komplett vorliegt. Vielleicht bekomme ich nächste Woche auf der FeenCon einige Meinungen zu hören - vorausgesetzt, es kommt jemand zu meiner Lesung, was nicht sicher scheint, da zeitlich parallel eine neue Regionalspielhilfe zu Das Schwarze Auge vorgestellt wird, was auch viele Leute interessieren dürfte, die die Romane der Reihe lesen.
In mein Schreib-Vakuum drängen die Ideen, Motive und Figuren für mein nächstes Buch. Endgültig habe ich mich noch nicht entschieden, aber heute lief es doch recht deutlich auf das Science-Fiction-Projekt zu, dem ich nun den Arbeitstitel ›Gottes Ebenbilder‹ gebe. Mir scheint nämlich, dass die Idee recht außergewöhnlich ist und dennoch auch für ein breites Publikum interessant sein könnte. Noch wichtiger ist mir, dass ich glaube, dass nicht viele Autoren diese spezielle Geschichte erzählen könnten; ich dagegen kann viele Erfahrungen einbringen, die ich in meinem Leben gesammelt habe. Man kann auch sagen: viel von meiner Persönlichkeit. Es würde also ein Buch werden, das sehr deutlich meine Handschrift trägt - so etwas reizt mich besonders.
17. Juli 2010
›Stahl‹ ist im Lektorat.
16. Juli 2010
Tatsächlich sind heute noch einige Anregungen der DSA-Experten zu ›Stahl‹ eingetroffen, die ich natürlich gerne aufnehme. Besonders interessant: In dem Roman spielen bestimmte Wurfmaschinen eine Rolle, die ich beim Schreiben bildlich vor Augen hatte. Da sich in den diversen DSA-Quellenbüchern nichts Passendes fand, recherchierte ich verschiedene Wurfmaschinen des irdischen Mittelalters und stieß dabei auf die Warwulfs. Heute wies man mich darauf hin, dass englische Begriffe nicht zum aventurischen Flair passten. Englisch?, dachte ich. Wieso Englisch?
Mir war gar nicht aufgefallen, dass der ›Warwulf‹ ein englisches Katapult war und der Begriff daher wohl korrekter Weise englisch auszusprechen wäre. Ich hatte das Wort in Gedanken immer ›deutsch abgelesen‹, hielt es für eine mittelhochdeutsche Variante von ›Werwolf‹. Mittelhochdeutsch hätte gut zum Flair meiner Geschichte gepasst, ist doch ›Isenborn‹ schon altertümlich für ›Eisenquelle‹.
Nun bin ich eines Besseren belehrt und werde meinen Wurfmaschinen einen anderen passenden Namen geben, vielleicht ›Donarwulf‹.
15. Juli 2010
Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen. Irgendwann habe ich das Licht angemacht und noch ein paar Szenen aus ›Stahl‹ durchgeschaut, bis ich wieder müde genug zum Weiterschlafen war. Viel ist naturgemäß nicht mehr zu machen, aber immerhin hat das Buch jetzt einen neuen Schluss-Satz.
Fanpro hat diesmal meine Exemplare flott auf den Weg gebracht, weswegen ich nun einen kleinen Vorrat an ›Erz‹ habe. Zum ersten Mal habe ich die von Sabine Weiss gezeichnete Karte von Burg Isenborn gesehen, die noch nicht fertig war, als ich die Druckfahne bekam. Sie ist sehr schön geworden - wieder einmal erstaunlich, was eine Künstlerin aus meiner ungelenken Vorlage machen kann.
Auch ist jetzt endgültig geklärt, welche Nummer der Band innerhalb der DSA-Reihe hat: 121.
14. Juli 2010
Ein paar Stunden habe ich heute die Formulierungen in ›Stahl‹ geschliffen. Ich widme mich vor allem den Schlusskapiteln, schließlich stellen sie das Ende des gesamten Zyklus' dar und werden dem Leser im Gedächtnis bleiben. Der erste Eindruck ist der entscheidende, aber der letzte ist der bleibende.
Außerdem lese ich seit ein paar Tagen mit großem Vergnügen Frank Schätzings ›Limit‹. Ich habe die Science Fiction in den letzten Monaten vermisst.
13. Juli 2010
Eine kleine Ergänzung habe ich an ›Stahl‹ vorgenommen. An ein paar Stellen erwähne ich nun die Stärke des isenborner Heeres vor der letzten Schlacht, damit der Leser eine bessere Vorstellung vom Gefechtsfeld hat. Zehn Minuten, länger habe ich mich heute der Schriftstellerei nicht gewidmet.
12. Juli 2010
Da die Meldungen sich nun häufen, darf man davon ausgehen, dass ›Erz‹ im Handel angekommen ist. ›Eisen‹ ist bereits im Druck und bei ›Stahl‹ habe ich heute den Korrekturdurchgang abgeschlossen und warte nur noch auf eventuelle Änderungswünsche der DSA-Redaktion.
Auch einen kurzen Schwatz mit Werner hatte ich heute. Nicht nur er selbst, sondern auch die Endlektorin sei angetan von ›Eisen‹ - so sehr, dass sie sich ›Stahl‹ kaufen würde, bekäme sie es nicht ohnehin zum Endlektorat, um zu erfahren, wie die Geschichte um Isenborn ausgeht. Das höre ich gern.
Wer dieses Schreibtagebuch verfolgt hat, der weiß, dass ›Stein‹ und ›Erz‹ ursprünglich nur ein Buch waren, die Teilung in zwei Bände wurde recht spät beschlossen. Aus diesem Grund haben sie auch einen gemeinsamen Spannungsbogen. Wer ›Stein‹ liest, wird deswegen am Ende mit vielen offenen Fragen dastehen. Deswegen freut es mich besonders, dass durch das Erscheinen von ›Erz‹ nun die komplette Geschichte vorliegt.
Zwischen ›Erz‹ und ›Eisen‹ liegt dann ein deutlicher Schnitt, und auch ›Stahl‹ hat einen ganz eigenen Fokus.
11. Juli 2010
Mit Willibert Pauels verbindet mich nicht nur, dass wir heute beide bei der Kundegebung Deutschland pro Papa waren, sondern auch, dass wir regelmäßig in Schubladen denkende Zeitgenossen verwirren. Willibert Pauels macht das noch stärker als ich - er ist Diakon und Büttenredner, ich bin ja nur katholischer Laie und Nebenberuf-Horror-SF-und-Fantasy-Autor. Dennoch sorgt das häufig für Verwirrung bei Leuten, die mich aus der jeweils anderen ›Sphäre‹ kennen. Wirklich bedauerlich finde ich das nicht - so kann ich meine Gesprächspartner immer wieder mit einer neuen Facette überraschen. Tiefenentspannt ist in dieser Hinsicht Thomas, den wohl nichts erschüttern kann, wie man auch in seinem Blog Thomas sein Abendland nachlesen kann. Ich war einmal bei dem von ihm veranstalteten Tag der abendländlischen Musik zu Gast, heute hatte er einen Auftritt mit seinem Dudelsack.
Bei ›Stahl‹ habe ich weniger als fünfzig Seiten zum Korrekturlesen übrig. Bis Freitag können die von mir angefragten Experten noch Änderungswünsche zum Inhalt anmelden, vor Samstag kann ich das Manuskript also ohnehin nicht ins Lektorat schicken. Der Samstag wird es dann aber auch werden, wie es aussieht - es würde mich wundern, wenn ich da massiv umarbeiten müsste, nachdem ich mich ja nun schon so lange und intensiv mit dem Hintergrundmaterial beschäftigt habe.
10. Juli 2010
Wenn sich Musikgruppen in einer Garage treffen und die ersten Stücke spielen, sind das normalerweise Covers von Gruppen, die sie mögen und die sie inspirieren. Bei Autoren gibt es dazu ein Äquivalent: die Fan-Fiction. Besonders bekannt sind da wohl die Stories, die sich in den Universen von Fernsehserien abspielen, etwa, wenn die Fans die Liebesgeschichte zwischen Data und Tasha aus StarTrek weiter spinnen, als dies in den Folgen dargestellt wurde. Ich erinnere mich, dass es zumindest eine Zeit lang ganze Newsgroups gab, die sich mit nichts Anderem beschäftigten. Inzwischen ist man vermutlich auf Foren umgestiegen, die Technologie ist weniger spröde.
Auch bei meinen schriftstellerischen Versuchen Mitte der Neunziger spielte die Fan Fiction eine große Rolle, in meinem Fall allerdings zu dem nur halb verstandenen Universum von ›Vampire: Die Maskerade›. Ich habe das Rollenspiel nie gespielt, war aber gleich von dem vielen Material fasziniert, das sich im Netz auftreiben ließ. Das meiste davon war auf Englisch, was auch zu ein paar Fehlinterpretationen meinerseits führte. So waren die »hideous Nosferatu« für mich nicht nur ›schrecklich anzuschauen‹, sondern auch ›scheu‹, weil ich das Wort ›hideous‹ fälschlich von ›hide‹, also ›verstecken‹ ableitete. Das war nicht schlimm, eher im Gegenteil, führte es doch zu der recht interessanten und bei meiner damaligen kleinen Lesergemeinde sehr beliebten Figur des schüchternen Nils, der gemeinsam mit weiteren Vampiren die Stadt Münster bevölkerte, in der ich damals studierte.
Natürlich habe ich mit diesen Geschichten keine müde Mark verdient, das wäre auch unredlich gewesen, schließlich habe ich kein Copyright auf die Ideen der Spieleerfinder. Aber sie waren ein großer Spaß und Hauptbestandteil meines damaligen Egozines ›Burned‹. Darüberhinaus kam es auch zu einer Zusammenarbeit mit Charlotte Engmann, zu einem Crossover, bei dem meine Vampire gemeinsam mit ihrem Lieblings-Blutsauger Michail ein Abenteuer bestritten. Aus heutiger Sicht hätte ich dabei vieles anders gemacht - das ist ganz natürlich, sonst hätte ich ja auch in den letzten fünfzehn Jahren nichts dazugelernt, und diesen Eindruck habe ich nun wirklich nicht. Ungewohnt ist für mich inzwischen auch der auktoriale Erzähler, den ich damals verwendete. Trotzdem hat dieses Crossover einen ganz eigenen, für mich persönlich am besten mit ›nostalgisch‹ zu benennenden Charme. Deswegen freut es mich, dass Charlotte es noch einmal in einer Storysammlung, die sich mit ihrem Michail beschäftigt, verwerten möchte. Für mich ist das nach wie vor ein Liebhaberprojekt, ich verdiene noch immer keinen Euro daran. Um dennoch niemanden zu verprellen, habe ich die Bezüge zum Maskerade-Universum inzwischen stark entschärft - man wird die Vorlage noch erkennen, aber nur, wenn man bereits gut damit vertraut ist. Sie schimmert noch durch, mehr aber auch nicht.
Heute Vormittag habe ich das Crossover noch einmal nach den Vorschlägen von Charlotte überarbeitet. Wann es erscheinen wird, weiß ich nicht. Es wird wohl noch ein paar Monate dauern - ich vermute, es wird 2011 werden, da Charlotte zuvor noch eine andere Anthologie plant. Und, wie gesagt: Dies ist ja ›nur‹ ein Hobbyprojekt.
Die Korrektur des ›Stahl‹-Manuskripts, die ich für die ›Eisen‹-Druckfahne unterbrochen hatte, habe ich heute ganz gemütlich wieder aufgenommen. Nebenbei habe ich einen ersten Wurf für den ›Stahl‹-Klappentext gemacht, damit es nicht noch am Ende hektisch wird, bevor der letzte Band in den Druck geht. Auch die Leseprobe für ›Eisen‹ habe ich vorbereitet, aber ich möchte sie erst online stellen, wenn ›Erz‹ im Handel ist - es soll auf dieser Homepage immer mal wieder etwas Neues geben, nicht alles auf einen Schlag.
Nachtrag: Heute Abend war ich noch auf dem Kölner Science Fiction-Stammtisch. Er war nicht besonders gut besucht, aber ich habe jemanden getroffen, der kurz davor steht, Fanpro ein Manuskript für Das Schwarze Auge anzubieten. Vielleicht wird also in der Reihe bald etwas von ihm zu lesen sein. Mit jemand anderem habe ich mich für die FeenCon locker zum BattleTech-Zocken verabredet. Hoffentlich wird das auch was, diese Cons haben immer ihre eigenen Gesetze.
9. Juli 2010
Dreiunddreißig Anmerkungen habe ich in die Druckfahne von ›Eisen‹ geschrieben, sehr wenige, wenn man bedenkt, dass es das bisher längste Isenborn-Manuskript ist. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass es sich um mein bestets Buch handelt. Ich erwäge, als Beleg in den nächsten Tagen eine komplette Szene daraus online zu stellen.
›Erz‹ wird derweil vom ersten Online-Händler als lieferbar deklariert. Bevor ich das glaube, warte ich ab, bis einige weitere nachziehen.
8. Juli 2010
Zwei Drittel der Fahne habe ich nun durchgesehen und auch das Titelbild ist fertig:

In einer Bahnhofsbuchhandlung habe ich heute eine Werbeanzeige für ›Im Schatten der Dornrose‹ gesehen, und zwar in einem Schattenland-Roman. Da ich nich allzu oft Werbung für meine Bücher erspähe, hat mich das gefreut; ich überlege nun, mir den Roman zu kaufen, obwohl mein Bücherregal überquillt. Zumal ich mit Schattenland durchaus etwas verbinde. Zwar habe ich Mythor nie gelesen, aber einmal an einem Briefspiel teilgenommen, das im Schattenland aus dieser Serie angesiedelt war. Damals gab es noch keine Online-Games. Man hat seine Spielzüge einmal im Monat an einen Spielleiter geschickt, der sie auswertete und die Ergebnisse zurückschickte. Eine Heidenarbeit (die Engländer haben den treffenderen Ausdruck ›monkey business‹), wie ich feststellte, als ich selbst ein kleines Briefspiel aufzog. Bei dem Vangor-Briefspiel jedenfalls bekam man Bonuspunkte für die Ausgestaltung der Kultur, die man spielte, Beschreibungen, wie sie auch Rollenspiel-Spielleiter austüfteln. Und natürlich auch Autoren, eigentlich wohl Erzähler aller coleur. Auch ein Live-Rollenspiel gab es, ich weiß nicht mehr, ob es ein Wochenende dauerte oder ein Woche. Das war meine erste Begegnung mit jemandem, der selbst ein Kettenhemd häkelte.
Bei all den Erinnerungen sollte ich wohl wirklich dieses Buch kaufen, wenn ich das nächste Mal in der Nähe des Ladens vorbeikomme.
7. Juli 2010
Im Zug habe ich noch ein paar Seiten in der Druckfahne gelesen, das Drittel ist damit durch. Zudem haben Werner und ich den Klappentext für ›Eisen‹ zusammengeklöppelt.
Mich erstaunt, wie rasch Informationen, die ich auf meiner Homepage veröffentliche, ihren Weg durch das WWW finden. Gerechnet habe ich mit dieser Schnelligkeit nicht, aber es ist natürlich erfreulich, wenn es ›da draußen‹ Leute gibt, die sich dafür interessieren, was ich hier schreibe.
Heute Abend wird sich schriftstellerisch bei mir nichts tun. Ich sage nur: Halbfinale Deutschland - Spanien mit Kollegen vor der Großbildleinwand im Hotel ... Beinahe ist es bedauerlich, dass ich keine Wuwuzela besitze.
6. Juli 2010
Vor der Arbeit bin ich mit meiner Überarbeitung von ›Stahl‹ bis auf Seite 196 vorgedrungen.
Im Laufe des Tages traf dann die Druckfahne von ›Eisen‹ an. Der Romanliste im Anhang zur Folge wird ›Erz‹ nun doch als 121. Band der Reihe geführt, wobei Florians ›Das Ferdoker Pergament‹, das ich gerade lese, Band 120 ist. In einer DSA-Sammlung werden die Isenborn-Bände wohl dennoch unmittelbar nebeneinander stehen, weil ›Das Ferdoker Pergament‹ ein ganz anderes Format hat als die Taschenbücher, die ansonsten die Reihe ausmachen.
Zu meinem Erstaunen habe ich gesehen, dass ein Online-Händler bereits das Titelbild zu ›Eisen‹ präsentiert - allerdings noch nicht gelayoutet, also ohne Schriftzug und Logo der Reihe. Ich warte noch ab, bis ich die fertige Version bekomme, bevor ich sie auf meine Homepage stelle.
In der ›Eisen‹-Druckfahne habe ich beinahe einhundert Seiten geschafft, ein knappes Drittel.
5. Juli 2010
Nach der Arbeit habe ich wieder ein bisschen Korrekturgelesen. Ich bin jetzt auf Seite 184.
4. Juli 2010
Bei ›Stahl‹ habe ich inzwischen zwei Kapitel korrekturgelesen, 135 Normseiten, etwa ein Viertel des Manuskripts. Wenig für zwei freie Tage, aber da ich noch auf mögliche Rückmeldungen der Rollenspielredaktion warte und außerdem auch ›Eisen‹ noch nicht gesetzt ist, lasse ich mir Zeit.
Derweil drängen meine beiden Science-Fiction-Ideen in das kreative Vakuum. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass eine der beiden zu meinem nächsten Romanprojekt werden wird.
3. Juli 2010
Weil mich die Lust dazu packte, habe ich heute mit der letzten Überarbeitung von ›Stahl‹ vor dem Lektorat begonnen. Etwa fünfzig Seiten bin ich vorgedrungen, also gut zehn Prozent. Die wesentliche Korrektur bezog sich darauf, die Beschreibung einer Rüstung so anzupassen, dass sie auch im letzten Detail mit dem von Alan Lathwell angefertigten Titelbild übereinstimmt - woran man sehen kann, dass es insgesamt nicht viel in dem Text gab, das ich für ändernswert hielt.
Dann habe ich noch ein paar weitere Informationen zum Isenborn-Zyklus online gestellt. Wer Lust hat, kann ja einmal stöbern - sie sind nicht allzu schwer zu finden.
2. Juli 2010
Um den Jahreswechsel herum habe ich drei Monate frei gehabt, in denen ich mich ganz der Schriftstellerei widmen konnte. Eine durchaus produktive Zeit, in der die Rohfassungen für drei Romane entstanden. Der vierte Teil meiner Isenborn-Tetralogie entstand dann in den Folgemonaten parallel zur Überarbeitung der ersten drei Teile.
Inzwischen ist einige Zeit zum Reflektieren vergangen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich zwar viel schriftstellerisch gearbeitet habe in jenen Monaten, also durchaus lange Arbeitstage und zuweilen auch -nächte hatte, dass es aber dennoch insgesamt ein ›Lebensstil‹ ist, der mir zusagt. Allerdings sind sowohl Sicherheit als auch Höhe des Einkommens, das ich mit der Schriftstellerei erzielen kann, bei weitem zu niedrig, um mich als Schriftsteller selbständig zu machen. Dazu bräuchten meine Bücher eine wenigstens zehnmal höhere Auflage, als das derzeit der Fall ist, und ich müsste gesichert jedes Jahr vier Stück veröffentlichen können - das erscheint kaum realistisch. Somit wird die Schriftstellerei auf absehbare Zeit ein Nebenberuf bleiben.
Das wiederum hat den Vorteil, dass ich schreiben kann, wozu ich Lust habe. Derzeit habe ich interessante Ideen für zwei Science Fiction-Romane und zwei historische Romane, einmal Dark Fantasy ist auch dabei. Vielleicht gehe ich eines dieser Projekte als nächstes an oder auch etwas ganz Anderes. Ich habe keine Verträge mehr mit Verlagen, deswegen bin ich zu nichts verpflichtet und kann auch mal wieder für die Schublade schreiben. Da ich nicht auf Einkünfte aus der Schriftstellerei angewiesen bin, habe ich maximale künstlerische Freiheit, wenn man so möchte, kann also auch unverkäufliche Texte schreiben, wenn mir danach ist.
Natürlich wäre es schön, wenn beides zusammenkäme: Wenn ich nach Belieben schreiben könnte und die Leute es so gut fänden, dass ich jedes Manuskript an einen großen Publikumsverlag würde verkaufen können. Alternativ könnte ich auch morgen im Lotto gewinnen und von meinen Zinsen leben. Das ist vermutlich eine ähnlich realistische Perspektive.
Derzeit jedenfalls schreibe ich gar nichts, sondern gehe meinem Lieblingshobby nach: dem Lesen. Im Moment ›Das Ferdoker Pergament‹ von Florian Don-Schauen, der ja auch schon als Lektor mit mir zusammengearbeitet hat.
1. Juli 2010
Heute gab es ein kurzes Schwätzchen mit Werner von Fanpro mit dem hauptsächlichen Ergebnis, dass wir uns auf der FeenCon zu einem längeren Schwatz zusammensetzen werden, bei dem er mir als Lektor ein paar Takte zum Handlungsaufbau im Großen erzählen wird. Außerdem wird es um das ›Chefsache-Projekt‹ von Fanpro gehen. Ich bin schon gespannt.
Nebenbei hat Werner einen neuen Erscheinungstermin für ›Erz‹ ins Rennen gebracht: Am 9. Juli soll es lieferbar sein. Mal sehen, ob das klappt.
Mein Schreibtagebuch wird recht lang, deswegen habe ich die Einträge aus dem ersten Halbjahr ausgelagert. Eigentlich wollte ich auch ein Resümee zu diesem Halbjahr aus Schriftsteller-Sicht schreiben. Vielleicht mache ich das noch in den kommenden Tagen.

Hier geht es zum Archiv meines Schreibtagebuchs - die Einträge aus dem ersten Halbjahr 2010.
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